ZDF – Zweiter Deutscher (Frauen)Fußball

Da haben wir ihn wieder: unseren Fußball-Alltag. Dem Fußball-Gott (der ja wohl männlich sein dürfte) sei Dank! Da wird berichtet, was der Fußball mit seinen Geschichten auf und am Spielfeld so hergibt: Freitag, Samstag, Sonntag. Montag kommt das Montagsspiel der 2. Liga. Dazwischen jedes Pokalspiel mit „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin“, auch wenn die Bayern in hintersten „Hintertupfing“ auflaufen. Fußballtalks live mit Bier am Sonntagmorgen und 3D-Analysen am späten Abend über jeden taktischen Spielzug. Und natürlich freut sich jeder Fußballanhänger auf das Millionengekicke mit den Stars der Champions League. Endlich ist sie vorbei: die fußballlose Zeit. Anpfiff für den Erstliga-Fußball der Männer! Moment, da war ja noch was!

Richtig, Fußball-Deutschland ist Europameister 2013! Während die Männer im Nationaltrikot von Turnier zu Turnier seit 1996 (Europameister nach dem Bierhoff-Golden Goal) einem Titel hinterherlaufen, haben die Frauen es mal wieder geschafft! Seit 1997 sind die Frauen 2 x Weltmeister und jetzt 5 x Europameister.

Das EM-Finale 2013 der Frauen verfolgten im Ersten im Schnitt 8,91 Millionen Zuschauer – noch einmal gut 700.000 mehr als beim Halbfinale, trotz der frühen Anstoßzeit um 16 Uhr und in weiten Teilen Deutschlands bestem Sommerwetters. Der Marktanteil belief sich bei der nachmittäglichen Übertragung auf stolze 45,6 Prozent, bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 36,7 Prozent Marktanteil erzielt (laut des Online-Medienmagazins DWDL). Zuschauerschauerzahlen, die überzeugen, aber wohl nicht die Fußballverantwortlichen der verschiedenen Sender.

Die Frauenfußballerinnen sind zwar Europameister, aber stehen, wenn es um ihr Alltagsgeschäft geht, der Frauenfußballbundesliga, weit im Abseits. Die quotenträchtige ARD-Sportschau berichtet sogar von der 3. Liga, aber natürlich Männerfußball! Auch beim ZDF, im aktuellen Sportstudio, nimmt der Frauenfußball auf der Reservebank Platz. Wer will schon ein Spiel aus der 1. Liga der Frauen sehen? Ich! Ich will mehr erfahren und vor allem auch sehen. Mir – und da stehe ich meinen Mann – hat die Europameisterschaft der Frauen einfach Spaß gemacht. Spannung pur, leidenschaftlicher Einsatz, toller Kombinationsfußball und, und, und … aber die Medien haben den Bundesligafußball der Frauen wohl noch nicht entdeckt. Die Quote macht es doch, aber anscheinend ist die Flanke der Europameisterschaft in Schweden bei den Verantwortlichen der Medien noch nicht angekommen. Vielleicht kommt der Frauensender SIXX ja bald auf die glorreiche Idee, Spiele – so wie wir es bei den Männern ständig präsentiert bekommen – zu zeigen. ARD und ZDF, die den Ball im Frauenbundesligafußball ins Rollen bringen könnten, zeigen meistens nicht mal Ausschnitte. Verdient hätten es die Frauen auf jeden Fall, zumal eine Präsenz im TV auch wirtschaftlich Sponsoren anlockt.

Blicken wir doch einfach mal zurück! Das Aktuelle Sportstudio vom 29. März 1970. Das war vor über 43 Jahren! Moderator Wim Thoelke kommentierte das erste Länderspiel der Frauen so:

„Sehr zarte Rempeleien …. Und da hat Mutter eine wunderbare Flanke nach halblinks gegeben. Junge, Junge … laufen Erna, aber Erna ist nicht flink genug.
Die Zuschauer brauchen sich gar nicht aufzuregen: Die Frauen waschen doch ihre Trikots selber. Wenn die Männer in den Schlamm fallen würden, das wäre schlimm, denn dann müssten die Frauen zuhause waschen … Ja und decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken…. Frei von allen kleinlichen Sorgen um Haushalt, Mann und Kinder spielt der Libero da hinten. …“

Immer wieder gern anzusehen unter:

Damals wussten die männlichen Moderatoren wie der große Thoelke es wohl nicht besser. Fußball war halt eine Männerwelt. Doch das ist, und das sei noch mal betont, schon lange her und kann als eine Anekdote der damaligen Fußball-Berichterstattung angesehen werden. Die Fußballzeiten haben sich doch geändert … Wenn das ZDF nicht noch mal zugeschlagen hätte! Da haben sich die Kreativzauberer auf Kosten des Gebührenzahlers etwas ganz Tolles zur Fußball-Euromeisterschaft der Frauen in Schweden 2013 einfallen lassen: „Ballsauber in Schweden“ Eine Frau im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft geht in den (Wasch)Keller und schießt einen (verdreckten) Ball in eine Waschtrommel.

Noch zu sehen unter:

Ein Klischee aus der Männerwelt bezaubernd umgesetzt. Nachdem das ZDF für den Trailer zur EM massiv kritisiert wurde, setzten die Kreativlinge mit einem Nachdreh noch eins drauf. Zum Schluss des Clips steht nun ein Mann (natürlich muskulös und ohne Bierbauch) am Bügelbrett und zeigt den Daumen nach oben.

Auch noch zu sehen unter:

Wenn es den Medien wirklich ernst mit dem Deutschen Frauenfußball sein sollte, sollten sie darüber auch berichten. In der Berichterstattung – vor allem bei der ARD-Sportschau und im ZDF-Sportstudio – wird sich doch wohl noch ein Platz finden, auch mal über ein Topspiel der 1. Bundesliga im Frauenfußball zu berichten!

Beim Frauenfußball wird der Ball weiter rollen und populärer werden, das ist so sicher, wie der Ball ins Eckige muss. Wie sagte schon der große Frauenliebhaber Matthäus „Nur nicht den Sand in den Kopf stecken“ oder ein gewisser Andy Möller, auch stellenweise als „Heulsuse“ bezeichnet: „Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl!“ Eigenartig – bei den Fußballfrauen findet man solche Sprüche nicht! Aber das kann ja noch kommen … falls die Medien darüber auch mal berichten!

Autor Rainer Schwabe | Veröffentlicht am 30. Juli 2013 at 15:12 | Kategorie: Sport | Schlagwörter: Schlagwörter: , ,

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