Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, nur in der Arzt-Praxis nicht

Der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung ist nicht gerade gering. Und doch ist ein so Versicherter ein Bürger zweiter Klasse.

Zumindest in der Praxis „Urologen am Malkasten“ an der Jacobistraße in Düsseldorf. Pünktlich zum Termin erscheint der Patient zum ersten Mal in den marmorbelegten Räumen. „Guten Tag, mein Name ist Heinrich P.*, ich habe einen Termin um 12 Uhr.“ Die Helferin hebt nicht mal die Augen, greift zum Stapel Plastikbecher: „Toilette vorn links, Becher dann in die Klappe stellen.“ Erst als der Patient fragt ‚Warum‘ hebt sie die Augen, sagt: „Weil Sie beim Urologen sind.“ Aha!

Nach diesem sehr unerfreulichen Besuch des Örtchens, weil sauber ist anders, heißt es, wiederum ohne Blickkontakt: „In die erste Etage zum Doktor.“ Nach dem leisen Hinweis, dass der Patient an zwei Gehhilfen geht, kommt die großzügige Antwort: „Oh, dann dürfen Sie den Aufzug nehmen.“ Donnerwetter, welch ein Service.

Oben angekommen, ein Warteraum, nein, eigentlich zwei. Im ersten stehen ein paar Plastikstühle, im zweiten – ausgestattet mit kleinen Sesseln- stehen Kaffee und Wasser. Allerdings prangt an der Tür ein Schild: „Nur für Privat-Patienten.“ Nach etwa 15 Minuten Wartezeit, traut sich der Patient einen vorbeieilenden Arzt zu fragen, ob er sich denn hier irgendwo anmelden müsse? „Wenn Sie unten registriert sind, kommen Sie schon dran“, kommt die unwirsche Antwort. Dann öffnet der Mediziner die Tür zum Privatbereich, begrüßt mit Handschlag einen Patienten, lächelt und meint dann mit einem Blick zum dem kassenversicherten Störer im Plastikbereich: „Kassenpatient und Ansprüche stellen, pfft.“

Endlich öffnet sich eine Sprechzimmertür und Herr P. darf eintreten. Seine Beschwerden möchte der Arzt eigentlich nicht wissen. „Ja, ja das kenne ich schon, gegen Ihre Beschwerden gibt es Medikamente. Würd ich aber nicht nehmen, wegen der Nebenwirkungen.“  „Welche sind das denn?“ „Lesen Sie den Beipackzettel!“ Von einem Medikament, dessen Namen der Patient nicht mal kennt? Letztlich bekommt er eine Einweisung ins Krankenhaus, die Herr P. gar nicht wollte. Noch vor der Tür, nachdem er den Aufzug diesmal ohne Genehmigung benutzt hatte, zerriss er die Einweisung. Wer immer auch diese vermeintlichen Ärzte zwingt hier zu arbeiten, weiß keiner. Aber als Patient sollte man einen großen Bogen um diese Praxis schlagen. Ist einfach gesünder!

Ach so, ein Nachspiel gab es auch noch. Eine Woche nach dem Besuch flatterte Heinrich ein Brief ins Haus. Inhalt: Zwei Rezepte. Auf dem einen beschrieb der Arzt, dass man in der Urinprobe Bakterien gefunden habe. Dazu gab es dann ein Rezept mit einem hochdosierten Antibiotikum. Gegen das der Patient allerdings hochallergisch war. Konnte der Arzt ja nicht wissen, er hatte ja nicht gefragt. Und – die Gegenprobe beim Hausarzt ergab keinen Befund. Das Medikament sei nach Meinung des Hausarztes auch nur in den ersten 24 Stunden nach Infektionsbeginn zu verabreichen – an Menschen, die gegen die Wirkstoffe nicht allergisch sind.

Da fragt man sich ernsthaft, was solche Ärzte, wie dieser Urologe, eigentlich hauptberuflich machen? Denn hier sind Fehler keine Lappalien, sie können lebensbedrohlich werden.

Muss es nicht bessere Auswahl-Kriterien für niedergelassene Ärzte geben? Warum reicht ein Einser-Abi immer noch als Qualifikation für’s Medizin-Studium? Was sagt eine Eins in Mathematik über die Fähigkeit aus, mit kranken Menschen umzugehen?

Ich hatte beim Roten Kreuz einen Einser-Abi-Medizin-Studenten in meinem Zug. Als er hörte, dass ich Nachtwachen im Altenheim machte, war sein Kommentar: “Igitt alte Leute, pfui Deibel.” Ich habe ihm empfohlen, später an seine Praxis ein Schild anzubringen: “Über 65  kein Zutritt”, oder noch besser, sich in irgendein Forschungslabor zu verkrümeln und die Menschheit so zu verschonen.

(Name geändert, der Red. bekannt)

 

P.S. Ach übrigens, wir haben der Praxis diesen Artikel weitergeleitet. Nur leider haben die Verantwortlichen eine Antwort nicht für nötig erachtet. Man mag sich sein eigenes Bild von diesem Gebaren machen.

Autor Claudia Fuhrmann | Veröffentlicht am 30. Juli 2013 at 11:05 | Kategorie: Soziales | Schlagwörter: Schlagwörter: ,

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