Und noch einmal „Wetten dass….“

Am Tag 3 nach der Ankündigung von Markus Lanz: Noch 3 Sendungen und dann ist Schluss……Und noch immer berichten und kommentieren Berufene und Unberufene. Und es ist fast wie beim Fußball: 82 Millionen Fußballer in unserem Land, nur die Nationalmannschaft kann nicht spielen.
Häme und Gehässigkeit werden über Markus Lanz ausgeschüttet. „Da läuft er, der Dieb“ und es fehlt nur noch das „Hängt ihn auf!“
In welcher Welt leben wir eigentlich und in welchem Zeitalter?
Da erdreistet sich die BILD, fälschlicherweise auch häufig als Zeitung bezeichnet, folgende Schlagzeile zu erfinden:
Markus Lanz´ Absturz in 7 Bildern. Bild erklärt, warum der Moderator scheiterte.
Ein Bericht aus lauter Versatzstücken, aus dem Archiv hervorgeholten Textbausteinen. Und Friedel Springer weint – früher war doch alles besser.
Mit Verlaub: Markus Lanz war nur ein kleiner Fisch in der Sendung, sozusagen der Edelverkäufer, der ein vielleicht mittelmäßiges Produkt über die Theke reichte, das von einem riesigen Team gemacht, also produziert, wird.
Aber das wollen wir doch gar nicht wissen. Markus Lanz hat höchstpersönlich die Gäste eingeladen, hat höchstpersönlich das Buch für die Sendung geschrieben, hat die 5 oder 8 oder 15 Kameras selbst bedient, er saß auch am Regietisch, hatte selbst vor sich das Pult mit den 2 344 Knöpfen und Schaltern, um das richtige Bild auszuwählen, ja, er war auch der Toningenieur und ist für die Beschallung in der Halle zuständig, Markus Lanz hat die Brötchen selbst geschmiert für das Catering und die Bierflaschen nach der Sendung geöffnet, und wahrscheinlich hat er auch noch den Durst für die gesamte Mannschaft persönlich gestillt…..Alle wissen alles, und überhaupt der Zuschauer ist schuld an dem Debakel?
Worüber diskutieren wir hier eigentlich: Die Sendung hatte eine Million Zuschauer mehr als die letzte Ausgabe und weit über 20 Prozent Marktanteil. D.h., jeder Fünfte, der am Samstagabend Fernsehen geschaut hat, war Gast bei Markus Lanz. Und das sind weitaus mehr Interessierte als jede Wahlsendung und Wahlsondersendung und Übertragung aus dem Bundestag und Neujahrsansprache des Bundespräsidenten und Regierungserklärung der Bundeskanzlerin haben. Was ist das eigentlich für ein Fernsehsender, der bei der Quote das Ende einläutet?
Warum ich Markus Lanz verteidige? Weil ich diesen shit-storm, dieses an den Pranger stellen noch nie mochte und auch jetzt nicht mag. Ich finde den Umgang der Öffentlichkeit und derer, die sich dafür halten, fast schon faschistoid.
Und wenn ich die Kommentare der Rechtschreibschwachen in der Kommentarleiste der BILD, versehentlich auch schon einmal Zeitung genannt (Wiederholung! Ich weiß), lese, weiß zumindest ich, wess´ Geistes Kind so mancher Zuschauer ist.
Nein, ich habe nicht jede Sendung gesehen, ja, auch Thomas Gottschalk hat schon mal eine schlechte Show abgeliefert, ja, die Idee von Frank Elstner war großartig, nein, Herr Lippert hat´s auch nicht gepackt. So what – die Welt verändert sich, das Zuschauerverhalten auch, aber auch die technischen Möglichkeiten TV zu schauen. Hat jemals jemand die Zahlen derer gemessen, die sich das Ganze aus der Mediathek herunterladen und dann erst anschauen????
Ach ja, wie sagte der auch von mir verehrte Thomas Gottschalk sinngemäß: Dann hätte ich das Ding auch an die Wand fahren können? Frage: Warum hat er´s nicht gemacht? Es war ja seine große Liebe, sagt TG, und verlässt man die so einfach…..
Liebe Kritiker (eine Berufsbezeichnung ohne Berufsausbildung und somit eigentlich sowieso nicht ernst zu nehmen), liebe Kritikaster (noch schlimmere Menschen als die Kritiker), lasst doch einfach mal die Kirche im Dorf. Es gibt noch wichtigere Dinge in unseren Tagen als eine Fernsehsendung. Und glauben Sie mir, von Markus Lanz werden wir noch viel hören. Er nämlich kann das, was viele sogenannte Moderatoren und Moderatorinnen nicht können: Sich über sich selbst lustig machen, reden, sprechen, moderieren, schreiben, fotografieren, diskutieren – ganz einfach: Fernsehen machen.
Und wer meckert, soll umschalten. Ich schaue mir auch nicht radebrechende Ehefrauen von Tennisspielern an, mag auch nicht die der deutschen Sprache unfähigen modellierten moderierenden Blondinen aus fernen Ländern, in deren Heimat wir mit so schlechten Sprachkenntnissen ihrer Muttersprache nie eine Chance im Fernsehen hätten. Aber was soll´s, ich muss mir das doch nicht antun.
Markus Lanz habe ich mir gerne angetan.

Autor Hans Meiser | Veröffentlicht am 9. April 2014 at 9:37 | Kategorie: Gesellschaft | Schlagwörter: Schlagwörter: ,

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