Starker Tobak Herr Bastian! Offener Brief des Amerika-Korrespondenten Peter Trunk

Gott sei Dank ist die Bundesrepublik Deutschland „mitschuldig“ sonst wäre ich sicher, dass das übliche Verdammen der Amerikaner noch viel geballter von den deutschen Journalisten käme.

Bei allem Respekt; die Affäre Snowden und deren Folgen mit Aktionen der Nazis und dem Konzentrationslager zu vergleichen, ist schon starker Tobak Herr Bastian. Normalerweise halte ich mich aus den Diskussionen über die bösen Amerikaner raus, aber langsam bin ich müde, immer einseitige Kritik an Amerika zu lesen, die von Journalisten geschrieben wird, die vergessen haben, dass ein Journalist in erster Linie die Aufgabe haben sollte neutral zu sein, damit er/sie von den Lesern auch ernst genommen wird.  Ansonsten wird der Journalist nichts weiter, als ein Sprachrohr einer gesellschaftlichen Gruppe, die eine bestimmte politisch Richtung vertritt.

Ich selbst habe die ersten 22 Jahre meines Lebens in Deutschland verbracht, die letzten 33 Jahre in Amerika. In den 80-er Jahren habe ich als Korrespondent über die Geschehnisse hier in Amerika berichtet und dabei langsam einen anderen Eindruck von diesem Land bekommen, als ich bis dahin hatte (geschult vom Spiegel und Stern).  Hatte ich doch gelernt, dass dieses Land voller Betonwüsten ist,  Rassismus an jeder Ecke, Mord und Totschlag überall und dann die Leute, oberflächlich seien sie alle und ungebildet. Dass es in diesem Land mehr Nobelpreisträger gibt als anderswo, scheint niemanden zu interessieren. PC, APPLE, Handy, fast jeder hat es, doch „die Amis die spinnen doch“.

Aber ich will nicht vom Thema abkommen. Es geht um Herrn Snowden, dessen Behandlung durch die US-Behörden der Stein des Anstoßes ist.  Er sei ein „Held“ der die Öffentlichkeit auf  die illegalen Aktivitäten von NSA, CIA und schließlich BND  aufgeklärt habe. Reden wir hier nicht am eigentlichen Thema vorbei?

Tatsache ist, dass der Mann freiwillig einen Job angenommen hat, bei dem oberste Geheimhaltung erstes Gebot ist. Er hat das vorher gewusst und unterschrieben, diese Geheimnisse zu bewahren, ganz egal was. Er wusste, dass er im Falle einer Preisgabe dieser Geheimnisse dafür gerade stehen müsse. Diesen Vertrag hat er vorsätzlich gebrochen.

Stellen Sie sich vor, ein Freund von Ihnen gesteht Ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass er eine außerehelich Affäre hat.  Da Sie nun moralische Bedenken haben (weil Sie vielleicht katholisch sind) gehen Sie zu seiner Frau und berichten ihr über die Affäre. So etwas nenne ich Vertrauensbruch. Und dessen ist auch Herr Snowden schuldig. Nur dass er nicht eine private Affäre einer einzelnen Person offenbart hat, sondern Tausende von Akten einer Regierungsbehörde der Welt unterbreitet hat. Ja, der Welt.

Nun können die Leute in Russland, Pakistan, Afghanistan, Nord Korea, und dem Rest der Welt sehen, wie die Amerikaner und nun auch die Deutschen und Engländer versuchen, die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten. Ob die Behörden dabei zu weit gegangen sind, ist doch nicht das Thema. Das Thema ist, dass ein einzelner Mann ungeahnten Schaden angerichtet hat.

Nur jemand, der naiv genug ist zu glauben, dass die Sicherheitsbehörden westlicher Länder überflüssig sind, weil eigentlich gar keine Bedrohung durch Terroranschläge besteht, würde einen Mann wie Snowden als Held bezeichnen.

Amerika ist „a Work in Progress“. Es wird viel falsch gemacht, aber auch vieles richtig. Und es wird besser. Ich hatte gerade eine angeregte Diskussion mit einem hiesigen Künstler, der mir erklärte, dass wir uns zurückentwickeln. Meine Antwort war einfach: „Vor 40 Jahren hätte ich einem schwarzen Mann ohne Konsequenzen ins Gesicht spucken können. Das wäre heute undenkbar. Ja, das nenne ich Fortschritt.“

Und so müssen wir in den Spiegel schauen und uns darüber klar werden, ob wir von unserem Staat Schutz erwarten oder nicht. Falls ja, dann können wir darüber diskutieren, was zu viel ist und was nicht.   Peter Trunk

 

Autor Claudia Fuhrmann | Veröffentlicht am 15. August 2013 at 14:57 | Kategorie: Politik | Schlagwörter: Schlagwörter: , , ,

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