Ein seltener Glücksfall

Kai Pflaume kommt vom Privat-Fernsehen. Kai Pflaume ist immer braungebrannt. Kai Pflaumes Lachfältchen sind in der Realität noch tiefer als im Fernsehen. So etwa leitet die Süddeutsche Zeitung neulich einen Beitrag zu Kai Pflaumes neuer – und leider schon wieder abgelaufener – Serie „Zeig mit Deine Welt“ ein. Als wenn das alles so wichtig wäre, hunderte Male wiedergekaut und schlichtweg Zeilenfüller. Und das in der Süddeutschen Zeitung! Schade eigentlich, geht es doch wirklich einmal um eine verdammt gute Sendung, in der ARD…

Kai Pflaume hat mit diesem Format „Zeig mir Deine Welt“ ein aufsehenerregendes Format auf den Bildschirm gebracht. Mit Gefühl, Humor, Hintergründigkeit, Nachfrage, Engagement und – schlichtweg sehr viel persönlichem Interesse. Und das bei dem Thema, werden Sie sagen? Ja, genau, und das bei dem Thema! Rund 50 000 Menschen mit dem Down-Syndrom leben in Deutschland. Menschen integriert in ihre Familie, aber am Rande der Gesellschaft stehend. Können wir uns vorstellen, wie diese Menschen leben, woran sie Spaß haben, wer sich mit ihnen beschäftigt – außer der Familie und vielleicht wenigen engen Freunden?

Kai Pflaume hat es in vier Sendungen gewagt, in diese Welt einzutauchen, nicht nur an der Oberfläche zu schwimmen, sondern zu verstehen, was für Außenstehende so unverständlich, so unvorstellbar ist.

Kai Pflaume ist es gelungen, die Protagonisten zu öffnen. Sie im täglichen Leben zu begleiten, am Arbeitsplatz, in der Familie in der Freizeit. Er hat dabei auch nicht zurückgeschreckt, diese Menschen besonderen Forderungen auszusetzen – die sie allesamt mit Bravour auch bestanden haben. Dass der ARD-Mann sich dabei auch selbst ins Spiel bringt war vielleicht eine Grundvoraussetzung für das Gelingen dieses ungewöhnlichen Formates. Ohne Pathos, in klaren Handlungssträngen, stellt er die „Hauptdarsteller“ vor, spricht mit ihnen, spielt mit ihnen , arbeitet mit ihnen. Kai Pflaume war weder Reporter noch Moderator, Kai Pflaume hat sich mit den sechs jungen Menschen auf eine Stufe gestellt, hat sie mit seinen Fragen, aber auch seinen Aktionen gefordert. Das Ergebnis: Einfach umwerfend und überzeugend. Im Herbst nahen wieder die zahlreichen Verleihungen wichtiger und nicht ganz so wichtiger Preise für Fernsehschaffende Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Juror an diese Sendung. Das Format und Kai Pflaume haben diese Auszeichnung verdient. Wer unter den Zuschauern diese Sendung nicht geschaut hat, hat wirklich großartiges kreatives Fernsehen verpasst. Schade!

Und dann noch eine Frage am Schluss: Wie lange hat es gedauert, bis vom Vorschlag für eine solche Serie bis zur ersten Klappe die Entscheidung gefallen war?

Autor Hans Meiser | Veröffentlicht am 23. Juni 2013 at 16:48 | Kategorie: Kultur | Schlagwörter: Schlagwörter:

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