Der heilige Protz zu Limburg

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst muss seinen Hut nehmen. So wollen es der Papst und die Gläubigen in Limburg. Der Herr Bischof will es sicherlich nicht. Davon muss man ausgehen. Denn schließlich hat der hohe Herr sich ja viel Arbeit gemacht mit seiner neuen Bischofsresidenz. Nein, in der Bischofsresidenz wohnt der geistliche Herr nicht nur, es ist auch gleichzeitig sein Amtssitz. Kommt aus diesem Selbstverständnis heraus die total überteuerte Bauwut des bisherigen Amtsinhabers? Oder wie lassen sich die immensen Kosten erklären, die gestern offiziell von der katholischen Kirche genannt worden sind?
Nur kurz eingeschoben: Der Neubau eines Einfamilienhauses für eine Familie mit 2 Kindern kostet etwa zwischen 180 000 und 300 000 €. Abhängig natürlich von Region und Standort dortselbst. Auf der Schwäbischen Alb ist ein solch mühsam zusammengespartes Anwesen preiswerter als im Speckgürtel von Köln, Hamburg oder gar München.
Nun zählt Limburg ja nicht unbedingt zu den Hot-Spots der Deutschen Immobilienwirtschaft. Und lange gespart werden musste ja wohl auch nicht. Das Geld war da, woher es auch immer gekommen sein mag, also wurde auf Teufel komm raus für den hochheiligen Herrn gebaut.
Der kleine Häuslebauer und Familienvater überlegt sich, ob er für den Boden Steinzeugfliesen für 12 €/qm nimmt oder Parkett für etwa 32 €/qm. Herr Tebartz-van Elst genehmigte sich Parkett für 205 000 €, Quadratmeterpreis 488 €. Ja, das ist eine Stange Geld. Jeder Bauherr weiß, wenn ich hier mehr ausgebe, muss ich dort einsparen.
Das hat der Limburger Bischof wohl auch gemacht. Müsste man annehmen. Auch wenn sofort wieder Zweifel aufkommen. Ich weiß nicht, wie Sie Ihren Adventskranz aufhängen. Wenn er dann hängen soll. Ich habe einen schönen Messinghaken in die Decke geschraubt, Kosten vor 5 Jahren 29,95 €. Und ich fand das damals schon sehr teuer. Aber ich will es ja auch schön haben, und so habe ich diesen teuren Haken erst gekauft und dann eingeschraubt. Herr Tebartz-van Elst will es auch schön haben, und also bestellte er eine besonders schöne Adventskranz-Aufhängung für die Kapelle. Diese Aufhängung musste nachträglich eingebaut werden, weil man ganz offensichtlich bei der Planung die christliche Adventszeit vergessen hatte. Nachrüsten ist immer teurer als voraus planen. Und also berappte der geistliche Herr 18 000€, damit der Adventskranz auch schön hängt.
Ein Schöngeist hört gerne schöne Musik, und also wurden 32 (!) Speziallautsprecher eingebaut für 45 000€. Stückkosten: Mehr als 1 400 €. Der helle Klang der Silbertaler muss da erst einmal auf dem Trommelfell zu hören sein. Da ja bekanntlicherweise in der Fastenzeit kein Fleisch gegessen wird, Fisch aber sehr wohl auf dem Teller des gläubigen Hirten zu finden ist, hat sich Herr Bischoff ein besonderes Wasserbecken geleistet, etwa 2 Meter tief – für Koi-Karpfen, diese riesigen japanischen Goldzierfische, für die es, so glaube ich, bislang noch keine überlieferten genießbaren Rezepte gibt. Also doch keine Fastenzeit.
Und so ließe sich diese Aufstellung fortsetzen, überteuerte Lichtschalter, edelbronzierte Geländer, Möbel- und Tischlerarbeiten und 8 300 000 € bei den Baunebenkosten.
Da wird dem Häuslebauer ganz schwindlig, und er überschlägt im Kopf, was er dafür alles in seinem kleinen Haus doch noch etwas schöner hätte machen können. Ach ja, und so ganz nebenbei, wäre bestimmt auch noch der eine oder andere Euro für den Klingelbeutel abgefallen.
Und da sind wir wieder bei der Frage: woher hatte der hohe Herr das viele Geld? Und: ist er alleine dafür verantwortlich oder gibt es Hintermänner – und vielleicht auch –Frauen, die ihn in seinem Protzwahn unterstützt haben. Davon müssen wir wohl ausgehen, aber Auftraggeber und somit Bauherr ist der Bischof selbst.
Was wohl Papst Franziskus dazu sagt, der die neue Bescheidenheit in der katholischen Kirche eingeführt hat, der in einem einfachen Gästehaus der Kurie lebt, der seine alten ausgetretenen Lederschuhe weiter trägt, der Luxus und Verschwendung ablehnt? Wir werden es nie erfahren. Aber die Abberufung des Heiligen Protz zu Limburg mag uns ein Fingerzeig des Papstes sein.
Ach ja, die Zukunft des Verschwenders ist noch unklar. Vielleicht bekommt er ja – wie schon einmal – ein First-Class-Ticket in die Armenviertel von Indien, um als Missionar den Armen dort die Vorteile des Reichseins zu vermitteln.

Autor Hans Meiser | Veröffentlicht am 27. März 2014 at 13:31 | Kategorie: Gesellschaft | Schlagwörter: Schlagwörter:

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